Als Bier und Wein noch Grundnahrungsmittel waren

01.10.2017

Oder: Esskultur im Mittelalter. Genauso hieß nämlich die Sonderausstellung, die wir uns gestern im Schloss Rosenburg im Kamptal angesehen haben. Dort erwarteten uns weiters Ritterkämpfe, ein Trebuchet-Angriff, Händler, Musikanten, Kulinarik und eine Falknereishow zu Pferd.

 

Und tatsächlich zählten damals unter anderem Bier und Wein zu den Grundnahrungsmitteln. Wem dieser Gedanke jetzt schön vorkommt, der sei gewarnt - das hatte nämlich ziemlich praktische und Hygiene-relevante Gründe. Wasser war damals nämlich oft verunreinigt und so griff man lieber zu Alkoholika, die neben dem Genuss auch wichtiger Energielieferant waren.

 

Auch Met, also Honigwein, ist eines der ältesten alkoholischen Getränke, er geriet aber durch seine geringe Lager- und Transportfähigkeit zunehmend in Vergessenheit und wurde lange Zeit nur als Getränk für Kranke zur Unterstützung ihrer Genesung angesehen. Hin und wieder erhält man ihn aber und um unserer Gesundheit ganz nach mittelalterlicher Ansicht etwas Gutes zu tun, haben auch wir uns auf Schloss Rosenburg eine Flasche gegönnt.

 

Funfact am Rande: Mandelmilch, die ja erst seit kurzem wieder “in” ist, wurde schon damals häufig und gerne getrunken!

 

Lange Zeit war Haferbrei das wichtigste Getreidegericht im Mittelalter, bis er schließlich vom Brot abgelöst wurde. Je heller das Brot war, desto edler war es und umso teurer war auch sein Preis. Helles Weizenbrot war somit eine Herrenspeise, dunkles Roggenbrot (in Notzeiten aber auch Brot aus Gerste, Hafer, Rüben oder Rettich!) ernährte die unteren Schichten. Betrügerische Versuche von Bäckern, das Brot optisch mit Kreide, Gips, weißem Ton oder gemahlenen Knochen aufzuhellen, wurden bestraft. Auch Bäckerschupfen war eine Bestrafungsform und zwar für jene Bäcker, welche Brot mit zu geringem Gewicht oder von minderwertiger Qualität herstellten. Bei manchen Bäckern heutzutage sollte man das direkt wieder einführen ;) oder sein Brot ganz einfach selbst machen - wie das geht, erfahrt ihr hier.

 

Interessant ist auch, dass bei Obst und Gemüse galt, was unten (also am Boden) wächst, sei minderwertig. Lang gekochte und dadurch vitaminarme Eintöpfe aus Zwiebeln, Lauch, Rüben und Kohl waren neben Getreidebrei klassisches Essen der Bauern und Armen. Erdäpfel kamen übrigens erst im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Europa! Obst, das hoch hing, wurde als Herrenspeise angesehen - genauso wie Fleisch. Hühnerfleisch war allen Schichten zugänglich, aber das Jagdrecht auf Großwild war dem Adel vorbehalten. Fischen war jedermann erlaubt und interessanterweise galt Lachs damals als gewöhnliche und banale Speise.

 

Im Mittelalter waren die gesellschaftlichen Unterschiede extrem, was sich unter anderem in der Esskultur besonders widerspiegelt. Große Teile der bäuerlichen Bevölkerung waren unterernährt und von Hungersnöten bedroht. Der Adel hingegen schwelgte in ausschweifenden Gelagen, bei denen sich die Köche gegenseitig in ihrer Fantasie zu übertrumpfen versuchten. Nicht selten kamen Hasenfleisch in Form eines Löwen oder gefärbte Schwäne auf den Tisch. Auch Pasteten wurden (man möchte schon fast abartig sagen) in Szene gesetzt - sie wurden mit lebenden Vögeln darin gebracht (so eine Szene wird auch in Game of Thrones nachgestellt) oder unter dem Gewand eines Pfaus oder Truthahns mit aufgestelltem Rad zu Tisch gebracht.

 

Das Mittelalter war in vielerlei Hinsicht ein „dunkles Zeitalter“, so auch bei der Tischkultur. Die Sitten am Tisch waren wenig kultiviert und die Hygiene fragwürdig. Man aß größtenteils mit den Fingern oder teilte Löffel und Becher mit seinem Tischnachbar. Frauen wurden von den Festmählern entweder ausgeschlossen oder aßen bereits vorher in ihren Gemächern. Sie sollten auch nicht zu laut sein oder zu viel trinken - ich (Marlene schreibt heute) hätte mir damals also wohl schwer getan ;)

 

Die Fastenzeit war (zumindest für die Oberschicht) ein ziemlicher Fake wie man heutzutage sagen würde. Laut den Fastenregeln des Mittelalters war den Gläubigen nur eine einzige Mahlzeit am Tag erlaubt. Diese durfte nicht aus tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukten oder Eiern bestehen. Auch der Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden. Erlaubt war jedoch der Verzehr aller pflanzlichen Produkte und auch Fische, Muscheln, Krebse, Hühner und Gänse durften auf den Tisch kommen. Denn es war nur das Fleisch warmblütiger Tiere verboten - und Geflügel hat man praktischerweise gleich zu den kaltblütigen gezählt.

 

Und wer es sich leisten konnte, der aß auch während der Fastenzeit sehr gut. Denn reiche Bürger konnten sich teure pflanzliche Importwaren wie Olivenöl, Feigen, Datteln, Rosinen und Mandeln kaufen. So erlebten die Menschen im Mittelalter die Fastenzeit sehr unterschiedlich, abhängig von ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Rang. Für die reiche Oberschicht war sie nicht unbedingt eine Zeit des Verzichts, für die ärmeren Menschen bedeutete sie dies dagegen oft tatsächlich.

 

Skelettuntersuchungen zeigten übrigens auch, dass Priester öfter fettleibig waren. Vielleicht, weil gerade Klöster Pionierarbeit im Acker- und Weinanbau, bei der Fischzucht, der Käseproduktion, dem Bierbrauen und der Züchtung von Obstsorten leisteten.

 

Die Ausstellung geht übrigens noch bis 29. Oktober 2017.

 

 

 

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